Es ist höchst spannend und unterhaltsam in 30 Jahren Vereinsgeschichte zu stöbern und alte Protokolle zu durchforsten. Mit der Aufarbeitung der Vereinsjahre werden einige Gedächtnislücken geschlossen, Aha-Erlebnisse sind garantiert.

Immer mal wieder sitzt man mit Weggefährten an einem Tisch und schwelgt in Erinnerungen. Aber wann war das genau? Wo waren wir da schon wieder? Nun wird es hoffentlich gelingen die Bilder zuzuordnen und das eine oder andere für die Nachwelt zu dokumentieren.

Amüsant und gleichzeitig erschreckend ist, dass sich über die Jahre so manches wiederholt. Dazu gleich ein Protokollauszug:

Von der ausserordentliche Vorstandsitzung 2002 lesen wir, dass aktuell eine Veränderung in der Gesellschaft wahrgenommen werde, sich zunehmender Egoismus breit mache und vermehrt die Eigeninteressen im Vordergrund stehen. Man müsse wieder das Bewusstsein wecken: Erfolge stellen sich nur ein, wenn intensiv trainiert wird!

Besonders eindrücklich sind die vielen Namen und Personen, welche einem beim Studium der Dokumente begegnen. Unzählige Pioniere, Mitglieder und Unterstützer prägen die Vereinsgeschichte. Das stimmt dehmütig. Man würde nicht allen gerecht, wenn man sie namentlich erwähnen würde.

Es macht auch deutlich, wieso sich Ehemalige für das Vereinsgeschehen interessieren und sich einbringen. Auch sie haben intensiv für den Verein gelebt und sich für dessen Interesse stark gemacht. Ihnen allen gebührt ein besonderer Dank und Anerkennung für das Geleistete. Schliesslich wären wir ohne deren Arbeit, nicht wo wir heute sind.

Wir durften von vielen Vorreitern profitieren, welche Grossartiges geleistet haben z.B. durch den Bau einer Bühne in Fronarbeit, die Einführung vom Jugend-Skiweekend, die erstmalige Organisation vom Schlussturnen, Trainingswochenende oder Unihockeyturnier, die Bildung eines Komitees zur Beschaffung einer neuen Vereinsfahne, von Tenüs oder aber Erstellung der Homepage.

So lesen wir am 05.10.2000 eine Anregung von Walter Siegrist: Was können wir unseren Jugendlichen Neues bieten? Ein Komitee wird gebildet …

oder

05.10.2000 Internetauftritt: Vreni Angst stellt sich zur Verfügung die Homepage zu gestalten.
Inhalt: Jahresprogramm, Anlässe mit Ranglisten, Adressen Riegenleiter, Turnstundenplan …

Ihnen allen haben wir so einige Anlässe zu verdanken, die bis heute fester Bestandteil von unserem Jahresprogramm und gar nicht mehr wegzudenken sind.

Weitere Pionierarbeit haben Riegenleiter geleistet, die über Jahre für attraktive Turnstunden besorgt waren, Abwechslung geboten, diszipliniert mit uns trainiert, Vorführungen einstudiert und somit dem Verein Erfolge und Zuwachs an Neumitgliedern beschert haben.

So hiess es am 23.01.2002 vor der Fahnenweihe: Es findet keine Sitzung statt. Der Vorbereitungsstand der Darbietungen ist noch nicht gut. Das nochmalige Üben des gemischten Reigens ist unabdingbar …

Zudem hatten wir das Glück viele gut ausgebildete Leiterpersonen in unseren Reihen zu haben. Nicht zuletzt daraus ergaben sich erfolgreiche Zeiten mit turnerischen Höchstleistungen. Ebendiese Ausnahmeerscheinungen brachten wiederum Leistungsträger heraus, sodass es im Training motiviert zur Sache ging, angespornt von den Erfolgen und mit einem guten Fundament, das uns auch die Teilnahme an Schweizermeisterschaften ermöglichte.

In einer Besprechungsnotiz vom Mixed-Volleyball ist am 10.08.2001 zu lesen:
Wir spielen Volleyball-Meisterschaft!
Es wäre schade, wenn’s einen Unterbruch gäbe und wir kein Ziel hätten …

Am Turnstand vom 27.09.02 wurden die Vereinsziele definiert:
Priorität gilt dem Vereinsturnen, nicht Korbball oder Volleyball …
regelmässiger Trainingsbesuch für gute Resultate Voraussetzung
gute Trainingsgestaltung = Voraussetzung für Motivation Ti + Tu
Miteinander und diszipliniertes Verhalten aller Aktiven wird seitens Leitern gewünscht.
sportliche Ziele: LA Verbesserung Leistungen und Trainingsgestaltung, auch im Getu an einzelnen Leistungen arbeiten
Kursbesuch Mitglieder ist erwünscht, um Fachwissen anzueignen

So wurde auch stetig das Training und die Wettkampfvorbereitung optimiert, Trainingswochenenden und Sonntagstrainings wurden eingeführt. Die Teilnahme an mehreren Turnfesten pro Jahr wurde zur Regel. Auch an LA-Wettkämpfen wie den Einkampf- und Staffelmeisterschaft konnten wir vorne mitmischen. Zudem nahm die Jugend neben den gängigen Wettkämpfen regelmässig am Hallenwinterwettkampf, beim Ringen & Schwingen sowie den Minitrampmeisterschaften teil.

In diesen Jahren durften wir auch von im Verband tätigen Funktionären profitieren, die sich vielseitig fürs Turnen engagiert und unsere Interessen eingebracht haben.

Auch heute geht es ohne Richter und Schiedsrichter nicht mehr. Es bedeutet ebenfalls ein grosses Engagement die Ausbildung zu durchlaufen und an Wettkämpfen, Spieltagen und Turnieren auf Platz zu sein. Natürlich haben wir auch vom Wissen dieser Spezialisten profitiert.

Bis heute wird im Turnverein Wil grossen Wert auf die Vielseitigkeit gelegt: Leichtathletik, Geräteturnen, Aerobic/Gymnastik und Spiel. Dieser Tatsache ist mitunter zuzuschreiben, dass wir bereits bei der Jugend gute Allrounder herausbringen, welche von klein auf polysportiv unterwegs sind und auch später vielseitig eingesetzt werden können.

So kamen auch die Erfolge im Korbball nicht von ungefähr. Jahr für Jahr wird während der Sommer- und Wintermeisterschaft um Punkte gewetteifert, damit zum Saisonende die Aufstiegsspiele oder wie in den 2000er Jahren gar die Schweizermeisterschaften erreicht werden. Der Aufstieg in die Nationalliga A und der Verbleib in der Nationalliga B waren sicherlich mitunter die grössten Vereinserfolge. Auch im Mixed-Volleyball bestritt man während dieser Zeit die Wintermeisterschaft im ZTV und spielte am kantonalen Mixed-Vergleich.

Ein besonderes Kapitel schreiben in den vergangenen 30 Jahren die zahlreichen Anlässe, die gekonnt organisiert und durchgeführt wurden. Wir durften stets auf sehr viel Unterstützung aus dem Dorf zählen. Ob Behörden, Abwartspersonen, Sponsoren, Gönner, Mitglieder anderer Dorfvereine oder freiwillige Helfer aus der Bevölkerung - das Miteinander an Fahnenweihe, GLZ-Regionenkonferenz, Kunstturnertag, Kantonaler Ringerfinal, Mädchenriegentag, Chränzli oder Chilbi funktionierte.

Aber auch für die vereinsinternen Anlässe fand man immer Organisatoren, welche für abenteuerliche Turnfahrten, unvergessliche Skiwochenenden und gemütliche Chlaushöck sorgten. Diese Bereitschaft der Mitglieder ist unbezahlbar.

Die Doppelturnhalle mit der einmalig grossen Bühne war und ist ein grosser Gewinn für unseren Verein. Unzählige Personen sind alle zwei Jahre mit unvergleichlichem Fleiss und riesigem Elan bei der Umsetzung der Abendunterhaltungen im Einsatz: Tombola, Zwischennummern, Bau, Dekoration, Festwirtschaft, Technik alles gilt es am Tag X zu orchestrieren und auf den Punkt zu bringen. Das Zusammenspiel und die Mitarbeit aller Beteiligten ist jedes Mal aufs Neue bewundernswert und verdient grösstes Lob. Die Beteiligung von klein bis gross, die gelebte Freude an der Bewegung und die Faszination Turnen schwappen so direkt auf die Gäste über.

Dank eingespielten Teams in Bau und Küche durften wir auch über all die Jahre an der Chilbi im TV-Grotto reüssieren. Dabei sind auch ein harmonierender Vorstand und verantwortungsbewusste Führungspersonen zentral. Der Verein ist und bleibt eine Lebensschule, sei es für das Berufs- oder Privatleben.

2002 liest man: Freundlichkeit + Anstandsregeln im Service = Imagepflege für den Verein
Es wird auch erwartet, dass alle ihre Schicht im Vereinstenü antreten.

oder

2002: Bächtelisturnier -> Es wird bemängelt, dass einige ohne «Auf Wiedersehen» zu sagen gegangen sind, was anstands- und respektlos ist. Genau in solchen Momenten gelte es das Vereinsleben und die Zusammengehörigkeit zu pflegen.

Innerhalb des Vereins ist es wichtig wertschätzend miteinander umzugehen, als Vereinsleitung mit gutem Beispiel voranzugehen und die gemeinsamen Werte zu leben z.B. sich gegenseitig unterstützen, einander Respekt entgegenbringen und tolerant zu sein.

Diskussionen und Meinungsverschiedenheiten gehören dazu:

So heisst es am 16.10.2001: Der Vorstand ist nicht einverstanden, dass ein zusätzlicher Trainingsabend für die Korbballerinnen stattfinden soll. Dies führe zu einem Abgang von Mitgliedern aus der Damenriege, da 3 Trainingsabende zu viel seien.

Deshalb sind stets alle gefordert, insbesondere auch die Präsidenten, welche eine wichtige Aufgabe einnehmen, vereinsintern vermitteln, die Richtung weisen und den Turnverein im Dorf, wie auch regional repräsentieren:

Einerseits werden die Kontakte zu den Nachbarvereinen unterhalten (Rafz = Fahnengötti -> Brätelplausch), Hüntwangen (Mitwirkung Fahnenweihe + 750 Jahr-Feier), Buchberg-Rüdlingen (Auftritt Fusiläum, Gastrecht während Neubau Doppelhalle), Eglisau (Organisation Ringen & Schwingen), Stadel, Hochfelden, Höri (Bächtelisturnier)

So liest man im Protokoll der Vorstandssitzung vom 07.12.2000:
Mit dem Göttiverein soll die Beziehung in Zukunft gepflegt werden.

Aber auch die Gemeinschaft innerhalb des Vereins gilt es hochzuhalten. (Neudruck Singbüechli 2003) Im Anschluss an die Anlässe und Trainings findet man sich in den Dorfrestaurants ein und lässt den Tag gemütlich ausklingen. Das Singen trägt vor allem zum gemütlichen Teil an Turnfahrten, Ski- und Trainingswochenenden bei.

Die Pflege der Kontakte innerhalb der Gemeinde mit Schul- und Gemeindebehörden wie auch dem Abwart sind von Bedeutung. Im Gegenzug wird vom Turnverein ein Beitrag am Gemeindeleben durch Mithilfe und Organisation der Bundesfeier oder auch verschiedentlich beim Bühne aufstellen erwartet. Dorfolympiade und Hydrantenlauf kommen als Zugabe hinzu. Somit ist es auch selbstverständlich, dass wir uns an Lokitaufe, Jubiläen und Anlässen der anderen Dorfvereine (Musik + Schützen) beteiligen und der Samariterverein wie auch die Trachtengruppe berücksichtigt werden.

Deswegen dürfen wir auch auf Gönner und langjährige Sponsoren zählen, die den Verein bei den verschiedenen Anlässen und der Anschaffung von Tenüs immer mal wieder finanziell unterstützen oder mit Naturalgaben oder der Ausleihe von Material aufwarten. Ein gut funktionierendes Netzwerk sind für einen Verein unerlässlich. Besonders zahlreich erscheint auch unsere treue Fangemeinde an auswärtigen Wettkämpfen, Spielrunden und Turnieren. Um diesen Umstand werden wir bewundert und die vielen lautstarken Zuschauer machen gewissermassen auch die Auswärtsauftritte zu Heimspielen.

In diesem Sinne hoffen und wünschen wir, dass der Turnverein auch in Zukunft auf einem guten Fundament gründet und eine gewisse Konstanz erhalten werden kann - Wellenbewegungen gehören dazu. Dabei sind die Nachwuchsförderung und Arbeit sämtlicher Riegen vom ELKI, Kitu bis zu den Jugendriegen entscheidend. Der Verein kann sich nur weiterentwickeln, wenn er sich stetig verbessert, nicht stehen bleibt, offen und mutig ist für Neues und den Aufwand nicht scheut.

Hierzu lesen wir folgendes: guten Namen erhalten, Jugendförderung nicht vernachlässigen

oder

Protokoll 2002: Rückblick ETF
Ziel: Start 1. Stärkeklasse (36 Ti/Tu) wurde erreicht. Turnerisches Ziel wurde verfehlt.
Ob wieder an ein ETF gegangen wird, entscheide man zu gegebener Zeit.
Bevorzugung Turnfest im Ausland?
Es stellt sich die Frage, ob am GLZ TF in Bülach in der 1. Stärkeklasse gestartet werden soll? Gemeinsames Training von TV und DR in Zukunft oder Trainingszusammenschluss mit TV Hüntwangen für optimales Training und gute Resultate?
Männerriege möchte mit über 20 Turnern an den Start gehen.

 


07.02.2026 / Andrea Angst

 

Der Einfachheit halber wurde die männliche Form verwendet.

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